Gefressen und Ausgespuckt
Gefressen und ausgespuckt!
Es gibt keine Monster mehr. Basta! Wenn wir das vermuten, dann täuschen wir uns gewaltig und verschliessen die Augen vor der Wirklichkeit. Denn das Monster von heute ist gerissen und schlau wie der Fuchs. Seine Wirkung, so tödlich wie der Stich des Skorpions. Das Monster hat sich unserer Zeit aussergewöhnlich gut angepasst. Es weiss genau, wie es uns zu fassen kriegt. Seine Stärke ist es, sich wie ein Chamäleon seiner Umgebung vollkommen anzupassen. Geduldig wartet es ab und schlägt zu, wenn wir es am wenigsten erwarten. Jede Epoche hat seine grausigen Monster geboren. Einige Menschen haben sie glücklicherweise früh genug erkennen können. Wussten wie sie auszutricksen sind. Andere hingegen sind ihnen voll auf den Leim gegangen. Sind gepackt, gefressen und später ausgespuckt worden. Das ist heutzutage nicht anders. Egal ob Frau oder Mann. Egal ob alt oder jung. Egal welche Hautfarbe. Das Monster von heute macht da keinen Unterschied. Die meisten Menschen schwimmen mit dem Strom. Mal mehr. Mal weniger. Wir müssen uns anpassen. Können nicht anders. Doch tief im Inneren kämpfen wir dagegen an. Versuchen unser Missfallen, unsere Unzufriedenheit irgendwie zum Ausdruck zu bringen. Werden jedoch ungeachtet dessen verschlungen. Vom neuzeitlichen Monster. Meistens stehen wir gewaltig unter Strom. Wollen Erfolg haben. Müssen Erfolg haben. Die Besten sein. Um jeden Preis. Bei der Arbeit. Im Freundeskreis. Ja sogar im familiären Umfeld. Schliesslich sind wir die Gewinner. Wir, und nicht die andern. Getrieben von der Gier. Dem buckligen Helfer des Monsters. Der Gier nach Macht und Einfluss. Früher oder später sind wir gefangen. Die Falle hat zugeschnappt. Ob wir wollen oder nicht. Der bucklige Helfer treibt uns direkt in die garstigen Fänge des Monsters. Schleichend. Unbemerkt, weil unfähig zu erkennen. Die Augen auf das falsche gerichtet. Wir fühlen uns sogar noch wohl dabei. Vermeintlich das Richtige zu tun. In diesem Moment, die scharfen Krallen uns beinahe schon ganz umschliengen. Wir denken uns nichts dabei. Denn die Tarnung des Monsters ist perfekt. Noch bevor wir begreifen, umschliesst uns die haarige Pranke mit den spitzen Krallen und absorbiert auch noch den letzten Rest des eigenen Willens. Wie eine Marionette im Puppentheater, an Fäden hängend, wird über uns bestimmt. Wir lachen noch dabei. Verstehen uns als Teil des Ganzen. √úberheblich wie wir geworden sind, sind wir uns sicher, dass wir es geschafft haben. Endlich: wir gehören auch dazu. Doch in Tat und Wahrheit sind wir die Verlierer. Nichts anders als winzige Figuren in einem bösen Spiel. Gespielt von diesem Monster. Wir sind zu schwach um dagegen anzukommen. Durch und durch unfähig, uns aus eigenem Willen aus den Klauen zu befreien. Den Verlockungen des Monsters unterlegen. Ohne es zu bemerken, wurden wir mit Haut und Haar aufgefressen. Jene, die das Monster erkannt haben, nennen es beim Namen: Karriere. Einzelne haben rechtzeitig realisiert, und sich gerade noch aus den Klauen befreien können. Haben im letzten Moment erkannt, dass sie drauf und dran sind, vollends verschlungen zu werden. Von der eigenen Karriere. Dem gefrässigen Monster, das sie selbst erschaffen haben. Doch früher oder später spuckt sie dieses Monster wieder aus. Sie werden zurück in eine Welt geworfen in der sie jetzt fremd sind. Ausgesogen, krank gemacht von der eigenen Karriere. Von dem Monster, das sie selber erschaffen haben. Jetzt, wiedergeboren und auf der Suche nach Lösungen, um diesem Monster nicht noch einmal in die Falle zu gehen, erkennen sie, dass sie ihm auf den Leim gegangen sind. Dass sie viel zu lange eine Spielfigur im Spiel des Lebens waren. Hoffend, dass ihnen dieses Monster nie mehr begegnet. Und wenn doch, dass sie es wenigestens früh genug erkennen können.
(c)Erich Buol, 2008